Einblicke

Liebe Freunde von WIR18,

ich möchte euch auf der folgenden Seite einen kleinen Einblick darüber geben, was sich bei einer Aufführung unseres Musicals wie zum Beispiel 
„der Geschichtenerzähler“ alles abspielt. Dieser Einblick ist lückenhaft. Eine genaue Beschreibung würde den Rahmen sprengen.

Viel Spaß beim Lesen!

Liebe Grüße
Euer Helmut

Die Bühnentechnik hat bereits die beiden ersten Szenen aufgebaut. (Irland und Bergwerk) Dank der Drehbühne sind wir in der Lage, gleichzeitig 2 Bühnenbilder aufzubauen, was für eine Erleichterung! Die Lichttechnik überprüft ihre Scheinwerfer und wechselt defekte Lampen aus, während die Tontechniker noch einmal ihre 96 Kanäle durchchecken. Der Bus mit den Akteuren fährt auf den Parkplatz des Festspielhauses, jetzt ist es vorbei mit der Ruhe. Die Sänger bringen ihre Privatsachen in die Garderoben und begeben sich anschließend zum Soundcheck auf die Bühne. Ein wenig Zeit für einen Rundgang durchs Haus, danach verschwinden sie in der Maske.

Das Orchester spielt sich im Orchestergraben warm und stimmt anschließend die Instrumente. In der Maske herrscht derweil Hochbetrieb.

Alle Akteure treffen sich auf der Probebühne im 3. Stock. Bei einem allgemeinen Warmup wird noch einmal alles Wichtige angesprochen und eventuelle Fehler des Vortages korrigiert. Ein gemeinsamer Choral (aus Notwender) mündet in ein zigfaches: „Toi,toi toi“. Ein paar Umarmungen und dann gehen Techniker und Orchester auf ihre Plätze. Die Sängerinnen und Sänger machen einige Lockerungs- und Atemübungen und dann beginnt das Einsingen. Ein gegenseitiges Aufpuschen und dann geht es in schweigender Konzentration zur Bühne.

Alle sind auf ihren Positionen. Mit feuchten Händen legen die Techniker ihre Finger auf die Pulte. Wird alles störungsfrei ablaufen? Im Geiste gehen die Sänger noch einmal wichtige Textpassagen durch. Ein letztes gegenseitiges „ Viel Glück“, ein zustimmendes Nicken und dann warten alle auf das „ok“ des Bühnenchefs. Endlich kommt im Funk an alle das Kommando: „Achtung Helmut kommt!“

Bereits bei der Begrüßung achtet man gespannt auf die ersten Reaktionen des Publikums. Wird es ein guter Abend? Das Orchester setzt ein – es geht los! Die ersten 3 Titel des irischen Teils sind schnell vorüber. Während der „Verhaftung“ gilt es, sich blitzschnell fürs „Bergwerk“ umzuziehen und die Positionen einzunehmen. Die Bühne dreht sich. Schnell die freudige Stimmung des Festplatzes ablegen und sich auf die neue Situation einstellen. Wird „Scarface“ wieder mal für Striemen am Körper sorgen?

Während die Szene bei den „Moores“ auf der Vorbühne läuft, werden die irischen Kulissen weggefahren. Die afrikanischen Kriegerinnen rennen in ihre Garderoben und ziehen sich bereits ihre braunen Ganzkörperanzüge an. Darüber kommt wieder die irische Kleidung und dann geht es zurück zur Bühne fürs irische Finale. „Land der Hoffnung“, noch einmal in die irische Geschichte eintauchen und mitfühlen. Der emotionale irische Teil ist geschafft.

Die Technik baut die afrikanische Kulisse auf. Alle Akteure rennen in ihre Garderoben, während Erzähler und Mona auf der Vorbühne auf die zweite Geschichte hinführen. In der Maske warten bereits die Damen mit Plastikschürzen und Farbschwämmen bewaffnet. Während sich ein Teil der Afrikaner umzieht, wird der andere mit brauner Farbe großflächig geschminkt. Selbst Ohrmuscheln werden nicht verschont. Dann blitzschneller Wechsel. In 10 Minuten müssen 15 Darsteller geschminkt sein. Alle stürzen wieder auf die Bühne, denn aus den Lautsprechern ertönen die letzten Sätze von Mama Thembu. In wenigen Sekunden beginnt der Titel „Er lebt in dir“. Im Orchestergraben lächeln sich die drei Drummer an: Jetzt kommt ihr Teil! Die afrikanische Geschichte ist für das ganze Ensemble eine Erholung. Die Spannung weicht und die Rhythmen entführen uns in diesen fantastischen Kontinent. Wir „atmen“ Afrika.

Schnell wieder in die Garderoben zurück. Afrika abschminken und die Maske für Amerika auftragen. In den Duschen stauen sich die „Afrikaner“. Die Technik trifft bereits die Vorkehrungen für Amerika. Der Oldtimer wird noch einmal überprüft. Hoffentlich springt er an. Helmut geht durch alle Garderoben und gibt seinen ersten Kommentar ab, was meist aus einem „Tolle Show! Weiter so, gebt noch einmal alles!“ besteht. Musiker und die Ton- und Lichttechniker gönnen sich in der Cafeteria einen Kaffee. Erste Eindrücke werden ausgetauscht. Ein letzter Schluck, 30 Minuten gehen schnell vorbei. Es geht wieder los.

Wieder stehen alle konzentriert, aber diesmal deutlich lockerer hinter dem Vorhang. Das neue Makeup ist aufgetragen und die neue Garderobe sitzt. Das Orchester spielt die Ouvertüre zum 2. Teil, während die letzten Zuschauer ihre Plätze einnehmen. Erzähler und Mona beginnen mit ihrem Intro. Der Vorhang geht auf, der Oldtimer fährt los und Applaus brandet auf. Wieso kriegt dieses Fahrzeug immer den meisten Applaus?

Kaum ist der Titel „Willkommen in New York“ vorüber, geht es schon wieder in die Garderoben. Die Clubszene steht an. 5 Minuten, in denen Vroni und Angel „Lass es Liebe sein“ singen, bleiben, um die Barklamotten anzuziehen. Die Bühnentechnik baut während des Liedes den Club auf.

3 Lieder ohne sich umziehen zu müssen gehen schnell vorüber. Es herrscht eine ausgelassene Barstimmung, obwohl statt Whiskey (meist) nur Apfelschorle serviert wird. Während des großen Gitarrensolos von Matthias schließt sich der vordere Vorhang. Dahinter muss in 2 Minuten der Club ab-, und die Hollywood-Kulisse aufgebaut werden. Die Sänger eilen wieder in ihre Garderoben, um sich für Hollywood umzuziehen.

Die Szene dauert 4 Minuten. Danach sofort wieder in die Garderoben fürs Finale. Während 4 Solisten den Titel „Sie hieß Mary“ singen, steht der Teil des Orchester, der bei diesem Titel Pause hat, am Rand des Orchestergrabens. Von dort aus erhaschen sie einen kleinen Blick auf die 4 Darsteller. Man amüsiert sich über die komödiantische Einlage von „Amanda Winter“.
Unterdessen muss ein Teil der Afrikaner wieder fürs Finale braun geschminkt werden. Es bleiben nur 6 Minuten Zeit! Schon wieder geht der Vorhang auf!

Es ist geschafft! Bei den beiden letzten Titeln wird noch einmal alles gegeben. Mit dem letzten Ton löst sich die ganze Anspannung. Gegenseitige Umarmungen und anerkennendes Schulterklopfen. Überall strahlende Gesichter. Drummer Claus schenkt sich im Orchestergraben genüsslich seinen verdienten Weizen ein. Bei der Vorstellung erhebt sich das Publikum. Ein tolles Gefühl! Beim abschließenden „Nehmt Abschied Brüder“ herrscht jedes Mal Gänsehautstimmung, wenn sich 1.400 Besucher die Hände für das gemeinsame Abschiedslied reichen. Der Vorhang schließt sich. Alle Geräte werden ausgeschaltet. Zeit zum Feiern!